Interview mit Anoosh Sophie Werner

Seit einem Jahrzehnt engagiert sich Anoosh Sophie Werner für den Schutz des Wassers, heute als freiberufliche Wasserbotschafterin, Künstlerin Yogalehrerin. In ihrer Arbeit verbindet sie politischen Aktivismus, Bildung, Kunst und Yoga und schafft dabei ein ganzheitliches Bewusstsein für Wasser – sowohl auf innerer als auch auf äußerer Ebene. Seit 2017 ist sie aktives Mitglied der internationalen zivilgesellschaftlichen Initiative Blue Community. Im Jahr 2023 gründete sie den gemeinnützigen Verein carewasser.org und erhielt 2025 gemeinsam mit ihren Kolleg*innen den Social Art Award für ihre Aquatopia Performance.

Foto: Daniel Falk

Warum findest Du das Thema sauberes Trinkwasser so wichtig?
Trinkwasser ist viel mehr als ein Durstlöscher. Wasser ist ein lebendiges Element, das alles
um uns herum verbindet: Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften. Sauberes Wasser ist
Grundlage für Leben, Gesundheit und ein funktionierendes Ökosystem. Für mich ist es
wichtig, Menschen diesen größeren Zusammenhang bewusst zu machen: Wasser als Spiegel
unseres Zusammenlebens zu erfahren und als Wesen zu respektieren, das Fürsorge und
Wertschätzung verdient. Es ist der kleinste Gemeinsame Nenner, der uns alle vereint.

Gibt es weibliche Persönlichkeiten, die Dich in Deiner Arbeit inspirieren?
Ja, Maude Barlow inspiriert meine Arbeit sehr. Auch die Kulturwissenschaftlerin Hildegart
Kurt. Ich liebe ihre Bücher und Blick auf die Welt. Und dann ist da noch Frederike, eine 9
jährige Wasserfreundin, mit der ich schon magische Momente am und im Wasser verbracht
habe.

Welche Herausforderungen begegnen Dir in diesem Handlungsfeld?
Eine zentrale Herausforderung ist, dass Wasser in unserer Gesellschaft oft nur als Ressource,
als Gebrauch- und Verbrauchsgegenstand wahrgenommen wird. Die Beziehung gegenüber
Wasser ist sehr einseitig, wir nehmen und gebrauchen nur. Diesen Paradigmenwechsel, von
menschzentriert zu ökosystembasiert, sehe ich als größte Herausforderung. Denn viele Kinder
und Erwachsene haben wenig direkten Bezug zu Wasser jenseits von Konsum. Deshalb ist es
eine Aufgabe, sinnliche, kreative Zugänge zu schaffen, über Experimente, Bewegung,
Meditation oder Körperwahrnehmung, um Wasser als etwas Lebendiges erfahrbar zu machen.

Was wünschst Du Dir in Bezug auf Trinkwasser?
Ich wünsche mir, dass wir Menschen eine tiefe Wertschätzung für Wasser entwickeln. Wenn
wir sauberes (Trink)wasser für alle Lebewesen (Mensch, Tier, Pflanzen) als Nordstern für
gesellschaftlichen Wandel ansehen würden, dann würden politisch als auch wirtschaftlich
viele Dinge, die das lebensspendende Nass verschmutzen, wie beispielsweise die Nutzung
von Pestiziden, hinfällig werden.

Was muss sich Deiner Meinung nach ändern oder sollte weiterhin sichergestellt
werden, damit unser Trinkwasser auch in Zukunft seine hohe Qualität behält?
Wir brauchen eine Kombination aus Schutz, Bildung und Achtsamkeit. Schutzmaßnahmen für
unsere Gewässer, nachhaltige Landwirtschaft und verantwortungsvoller Umgang mit
Chemikalien sind notwendig. Gleichzeitig müssen Kinder und Erwachsene lernen, Wasser als
lebendiges System zu verstehen, das uns miteinander verbindet. Nur wenn wir die Beziehung
zu Wasser vertiefen, bleibt seine Qualität langfristig gesichert, sowohl ökologisch als auch
kulturell.