Interview mit Manuela Weber
Manuela Weber ist Umweltberaterin bei der Verbraucherzentrale NRW e.V. in Bochum. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Beratung, Bildungsangebote und Aktionen rund um Themen wie nachhaltiger Konsum, Abfallvermeidung sowie Klima- und Umweltschutz. Sie unterstützt Kommunen dabei, Menschen für bewusste Konsumentscheidungen und einen nachhaltigeren Lebensstil zu sensibilisieren.
Warum findest du das Thema sauberes Trinkwasser so wichtig?
„Sauberes Trinkwasser ist für mich eine Frage der Gerechtigkeit und der Zukunftssicherung. Es ist die
Grundlage für Gesundheit und Lebensqualität – und doch nehmen wir es oft als selbstverständlich
hin. Besonders beeindruckt mich, wie eng Wasser mit fast allen großen Herausforderungen unserer
Zeit verknüpft ist: Klimawandel, Artensterben, soziale Ungleichheit. Wenn wir unser Trinkwasser
schützen, schützen wir gleichzeitig Böden, Gewässer und das Klima. Und: Es ist ein Thema, das jeden
betrifft. Wir alle konsumieren Wasser in großen Mengen – ob real oder virtuell in Produkten, die wir
nutzen. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass Wasser nicht nur sauber, sondern auch für alle
zugänglich bleibt.“
Gibt es weibliche Persönlichkeiten, die dich in deiner Arbeit inspirieren?
„Absolut! Da ist zum Beispiel Vandana Shiva, die indische Physikerin und Umweltaktivistin. Sie zeigt,
wie eng Ökologie und soziale Gerechtigkeit zusammenhängen – und wie wichtig es ist, Wasser als
Gemeingut zu verteidigen. Aber auch viele Kolleginnen aus der Praxis inspirieren mich täglich:
Wissenschaftlerinnen, die zu Mikroplastik forschen, Ingenieurinnen, die nachhaltige Wassersysteme
entwickeln, oder Aktivistinnen, die sich für den Erhalt von Feuchtgebieten einsetzen. Sie alle
beweisen, dass Engagement und Fachwissen Hand in Hand gehen.“
Welche Herausforderungen begegnen dir in diesem Handlungsfeld?
„Die größten Herausforderungen sind oft unsichtbar: Nitratbelastung durch intensive Landwirtschaft,
Mikroplastik, Bleileitungen, Rückstände von Medikamenten oder Chemikalien – das alles sind
Themen, die Verbraucher:innen stark verunsichern. Und dann ist da noch die Politik: Oft fehlt der
Mut, klare Regeln für den Schutz unserer Gewässer durchzusetzen – und auch deutlich zu sagen, dass
unser Lebensstil mit hohem Fleischkonsum und Wegwerfprodukten sich schlecht auf den
Wasserhaushalt und letztlich die Qualität des Trinkwassers auswirkt und dass wir umsteuern müssen,
um unser Wasser zu schützen. In der Beratung erlebe ich immer wieder, dass viele Menschen gar
nicht wissen, wie gut unser Leitungswasser ist und man es bedenkenlos trinken kann. Hier kursieren
viele Mythen bis hin zu Verschwörungserzählungen. “
Was wünschst du dir in Bezug auf Leitungswasser?
„Ich wünsche mir, dass Leitungswasser in Deutschland noch mehr zum Standardgetränk wird – dass
es überall verfügbar ist, sicher und selbstverständlich genutzt wird. Auch in der Gastronomie. Das ist
in anderen Ländern Europas längst üblich. Ich wünsche mir, dass wir stolz darauf sind, dass wir
hierzulande einfach den Hahn aufdrehen und sauberes Wasser trinken können. Und dass wir dieses
Privileg nicht als gegeben hinnehmen, sondern aktiv schützen. Mein Traum: Dass öffentliche
Trinkwasserbrunnen so normal werden wie Parkbänke – und dass jeder Mensch in Deutschland weiß,
wie wertvoll dieses Gut ist.“
Was muss sich deiner Meinung nach ändern, damit unser Trinkwasser auch in Zukunft seine hohe
Qualität behält?
„Wir brauchen drei Dinge: klare Regeln, mehr Investitionen und ein Umdenken im Alltag. Politisch
müssen wir den Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln stärker begrenzen, Gewässerschutzgebiete
konsequent ausweisen und die Sanierung der Infrastruktur vorantreiben. Gleichzeitig müssen wir in
moderne Technologien investieren, um Schadstoffe besser zu filtern. Und jeder Einzelne kann etwas
tun: Indem wir Wasser bewusst nutzen, auf schädliche Chemikalien verzichten und uns für den Erhalt
unserer Gewässer einsetzen. Nur so bleibt unser Trinkwasser auch für die nächsten Generationen
sauber.“
Warum, glaubst du, arbeiten vergleichsweise viele Frauen im Bereich Klimaschutz und
Klimaanpassung?
„Das ist eine spannende Frage! Studien zeigen, dass Frauen oft stärker von Umweltproblemen
betroffen sind – etwa durch Wasserknappheit oder gesundheitliche Folgen von Schadstoffen.
Gleichzeitig bringen sie häufig eine andere Perspektive mit: Sie denken langfristig, vernetzt und
lösungsorientiert. Vielleicht liegt es auch daran, dass Frauen traditionell oft für die Versorgung der
Familie zuständig sind – und damit für Themen wie Wasser, Ernährung und Gesundheit. Und nicht
zuletzt: Viele Frauen erleben, wie wichtig es ist, für die Zukunft der Kinder zu kämpfen. Das macht sie
zu treibenden Kräften im Klimaschutz.“